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Kirchentag. So eine Wirtschaft.

Kirchentag 2011  in Dresden.

Erwartete 100.000 Besucher in der Stadt. Wie müssen wir uns darauf vorbereiten? Hat das überhaupt Auswirkungen auf das Geschäft? Mangels Erfahrung war diese Frage schwer zu beantworten.

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Am Donnerstag war ich mal auf dem Kirchentag „gucken“. Im Messegelände, einer der zentralen Orte des Kirchentages, war neben Unmengen von Ständen, Zelten und Bühnen quasi eine Stadt in der Stadt aufgebaut. Verpflegungsbuden, unzählige Stände mit Büchern, Geschenken und Krimskrams, selbst unzählige Müllinseln vorhanden. Gutmenschlich alles vor Ort. Warum sollten die Besucher des Kirchentages dann eigentlich noch die einheimischen Läden und die Gastronomen aufsuchen? Gastronomie konnte ich mir ja gerade noch vorstellen, schließlich gab es auf dem Kirchentagsgelände weder Bier noch Wein… ;)

Gedämpfte Erwartungen also. Unsere Dresdner Kunden würden sich in der Zeit des Kirchentages eher weniger ins Getümmel stürzen und einkaufen. Das war uns soweit klar.

Nach dem Feiertag am Donnerstag also am Freitag vorsorglich mit dem Fahrrad auf Arbeit. Nachdem ich mich bis in die Neustadt durch geklingelt hatte, stand ich auch schon mit an der Kasse. Der Laden war brechend voll. Das war nicht ganztägig so, sondern eher in himmlischen Wellen. Immer, wenn offensichtlich irgendwo eine Veranstaltung zu Ende war, schwappte die christliche Nächstenliebe auf der Suche nach Geschenken und Erinnerungen in unseren Laden.

Am Ende des Tages konnten wir 100% mehr Umsatz als an einem normalen Juni-Freitag in der Neustadt bilanzieren. In der versteckten Cityfiliale leben wir fast ausschließlich von Stammkunden, die gezielt zu uns kommen. Die Dresdner haben die City zum Shopping am Freitag verständlicherweise gemieden. Und die Kirchentags- und zugleich Catapult-Besucher haben dies zumindest umsatztechnisch mehr als egalisiert.

Natürlich freuen wir uns über diese Nebenwirkungen des Kirchentages. Es ist fast wie zwei Tage Weihnachten. Oder anders gesagt: Endlich kommt mal ein Konjunkturprogramm bei uns an. Das hat bisher keine Bundesregierung geschafft.

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Nun wird nicht jeder Gewerbetreibende gleichermaßen vom Kirchentag etwas abbekommen haben. Die Signale aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft in der Neustadt waren jedoch positiv. Max vom ehemaligen „La Rue“ habe ich zumindest bei der Arbeit in einer der Imbiss-Buden auf dem Kirchentag getroffen. Selbst die Kreativwirtschaft hat einen fünfstelligen Betrag eingefahren, wie ich aus berufenem Munde von Sebastian erfahren (und das Ergebnis erhören) konnte. Produktion, Tontechnik, Studio, Coverdruck, Produzent und selbst das Presswerk für die offizielle Kirchentags-CD – alles made in Sachsen. Und viele weitere Dresdner Player haben den Kirchentag  indirekt als Marketing-Tool genutzt.

Es wäre natürlich schnöde, den Kirchentag nur auf den kurzfristigen Mammon zu reduzieren. Es ist auch ein gigantisches Stadtmarketing-Projekt. Letztlich 120.000 Botschafter schicken wir mit einer „guten Nachricht“ in die Welt. Multiplikatoren für ein positives Stadtimage. Und auch die Botschafter kommen wieder.  Der „Dresdner Marketing Gesellschaft“ (DMG) hätte nichts Besseres wie ein „Kirchentag“ einfallen können.

In meiner Facebook- und twitter-timeline hatte ich einige negative bis aggressive Untertöne. Meist waren es Beschwerden über längere Warte- und Reisezeiten. Komischerweise beschwert sich kaum jemand, wenn z.B. wegen „Robbie Williams“ oder „Namooo“ verkehrstechnisch nichts mehr geht, alles vermüllt ist oder aggressive und besoffene Besucher  die Stadt unsicher machen.

Man kann zum Glauben und zum Kirchentag stehen, wie man will. Kirchentagsbesucher sind pflegeleicht. Die verkehrstechnischen Nebenwirkungen sind im Vergleich zum kurz-, mittel- und langfristigen Wirtschaftsfaktor  zu vernachlässigen.

Willkommen, in Dresden. Allen Gästen unserer Stadt!

(c) catapult (HMD)

Ja, und was kaufen eigentlich Kirchentagsbesucher? Das ist schon die nächste Geschichte…