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Die Neustadt kriegt die Krise.

Bild Dresden schrieb vor 2 Tagen die Dresdner Neustadt in die Krise. Das Neustadt-Geflüster und Die Neustadt fragten sich, ob dies stimmt und wie Auswege aussehen könnten.

Es stimmt, einige Geschäfte und Gastronomiebetriebe haben in den letzten Wochen geschlossen. So tragisch oder schwer die Entscheidung für den einzelnen Unternehmer gewesen sein mag: Das ist nicht neu. Auch der alternative Stadtteil Dresden-Neustadt funktioniert nach den Gesetzen der Marktwirtschaft. Wir haben in den letzten 12 Jahren schon so viele liebe oder unerträgliche Nachbarn kommen und gehen sehen. In dieser Zeit nicht mehr oder weniger als heute.

Warum ist das so?

Die Neustadt ist in Dresden als kreatives und unkonventionelles Stadtviertel bekannt und viele Menschen mit einer guten Idee probieren hier, mit einem eigenen Unternehmen Fuß zu fassen. Nicht immer passen Vorstellungen und Realität zusammen. Fachkenntnis und betriebswirtschaftliches knowhow. Vorhandenes Kapital, Umsatz und Kosten. Die Neustadt ist ein Durchlauferhitzer.

Neue Ideen werden probiert und verworfen, viele andere bewähren sich. Das macht auch die Lebendigkeit und die Attraktivität des Stadtteils aus. Nicht immer die gleichen Ladenketten. Aufgrund der vorhandenen Fluktation gibt es auch immer mal ein freies Ladenlokal, für das sich schnell ein neuer Betreiber mit einer neuen Idee findet. Die oder der bereit ist, den geforderten Mietzins für Verwirklichung seiner Geschäftsidee zu zahlen. Der Vormieter hatte Erfahrungen und war dazu nicht bereit. Marktwirtschaft.

Auch wir sind von Mieterhöhungen betroffen, weil ein kurzfristig leerstehender Laden in der Nachbarschaft vom gleichen Vermieter zu höheren Konditionen schnell vermietet werden konnte. Trotz harter Verhandlungen mussten wir eine höhere Miete akzeptieren, weil uns ein Umzug deutlich teurer kommt. Und wir hängen an der Neustadt. Emotional und letztlich auch mit unserem Gehalt.

Dem Vermieter kommen die vergleichsweise geringen Größen der vorhandenen Ladenlokale meist entgegen. Das Gründerzeitviertel hat strukturell eher geringe Flächen für Laden & Lokale. Das kommt Existenzgründern zum Ausprobieren entgegen. Die Höhe der Gesamtmiete ist deutlich geringer als bei anderen Flächen zB. in 1A-Lagen. .

Der Quadratmeterpreis ist auch geringer. Wie die Kundenfrequenz. Und der Umsatz. Die letzen beiden Punkte werden in Konzepten gern ausgeblendet. Der Erste nicht. Die Verhältnisse muss man erst lernen.

Die Mieten für Wohnungen steigen in der Neustadt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Studenten und Geringverdiener ziehen in preiswertere Stadtteile (z.B. Cotta, Löbtau, Pieschen). Da die Vermieter neben Wohnungen oft auch gewerbliche Objekte in Ihren Häusern haben, unterstellen Sie eine gleichartige Entwicklung bei den Gewerbemieten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Neustadt wird hauptsächlich von den Neustädtern frequentiert und die haben auch aufgrund steigender Mieten weniger Geld für Konsum. Das haben nur die wenigsten Vermieter begriffen.

Das schnelle Geld ist in der Neustadt nicht zu machen. Aber mit guten Ideen und Service kann man die Neustädter begeistern. Als Gastronom oder Händler Originalität und Kundenorientierung leben und die Neustädter in Dresden sind Dir treu. Das haben nur wenige gewerbliche Mieter begriffen.

Die Kunden ändern sich und altern mit der Neustadt und ihren Läden. Mit 28 Jahren war ich bei Gründung der hippe Unternehmer vor Ort und dabei nicht der Jüngste hier. Heute bin ich wenige Jahre älter ;) und viele meiner erfolgreichen Kollegen in anderen Geschäften haben die ersten Silberstreifen im Haar. Das Viertel und ihre Kunden hat sie gegenüber verbeamteten Gleichaltrigen trotzdem jung gehalten. Danke dafür.

Heute ist die Neustadt eher ein Viertel für junge Familien, die individuell noch etwas bewegen wollen und nicht halbtot vor der Glotze sitzen. Attraktiv. Kürzlich las ich, dass die Neustadt das gefragteste Viertel für Neudresdner ist. Damit ändern sich die Bedürfnisse. Nicht jedes unveränderte Gastro- und Ladenangebot passt mehr.

Bei einem Neustadt-Blog lese ich zB. hier in einer anderen Rubrik gespannt Antworten und Vermutungen, wo die Neustadt in 20 Jahren sein wird. Ich behaupte kühn: Die Neustadt wird ein modifiziertes Striesen sein, wie man bereits jetzt den sich annähernden Wählerstrukturen entnehmen kann.

Bekommst Du Krisen mit Striesen? Ich nicht. Ich denke, die Neustadt wird immer ein Stück hipper und innovativer sein. Experimenteller. Schneller.

Geschäfte und Lokale kommen und gehen. In Striesen und in der Neustadt. Bleiben wird, wer mit den Kunden wachsen wird. Sei es beim Umsatz oder bei der Zahl der Lebensjahre.

Die Krise krieg ich bei anderen Themen.

@Hendrik

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5 Responses to “Die Neustadt kriegt die Krise.”

  1. Oktober 30th, 2010 at 09:48

    stefan says:

    das hier sollten mehr leute lesen als diesen bildartikel!

  2. Oktober 30th, 2010 at 10:35

    Anton Launer says:

    Sehr gut.
    @ Stefan: Die Bild hat das Thema über drei Tage gezogen, am Ende steht es etwas positiver da. Siehe hier:
    http://www.bild.de/BILD/regional/dresden/aktuell/2010/10/30/szeneviertel-krise/neustadt-bleibt-sich-treu.html

  3. Oktober 30th, 2010 at 15:49

    Mirko says:

    Die Neustadt ist einfach ein wenig weiter gewachsen. Mit allen Konsequenzen. Das nachöstliche Flair, die subtile – ich nenne es mal Gegenkultur – wird zusehens weniger.

    Aber es gibt sie noch, die Ecken und Kanten, die sicher einige Lebensläufe mit dem Stadtteil verbinden. Und es kommen für die Neu-Neustädter weitere hinzu. Nur eben Andere.

    Striesen wird die Neustadt in absehbarer Zeit nicht werden. Innovativ? Hipp? Hm, ist das so erstebenswert? Ich hoffe, sie wird ein freundlicher, überraschender Stadtteil bleiben, in dem die Bewohner und Besucher weiterhin finden was Sie suchen.

    Danke für den sehr guten Artikel, Hendrik!

  4. November 2nd, 2010 at 11:46

    Ist ER Dresdens prominentester Blogger? Anton Launer in “BILD Dresden” says:

    [...] über den angeblichen Niedergang der Dresdner Neustadt, der im Netz für kritische Kommentare gesorgt hatte. Nun durfte Frintert für die Zeitung am Samstag seine Sicht der Dinge aufschreiben, Titel: [...]

  5. Februar 23rd, 2011 at 08:40

    Werner says:

    gibt es eigentlich eine auskunft, wie es jetzt im moment ausschaut? ich habe gehört, dass sich das ganze problem wieder von alleine gelöst haben soll…

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